amplifiedbell

28. Mai 2009

Heute wende ich mich mit einem scheinbar kleinen unwichtigen, aber bei näherer Betrachtung grundlegenden, elementaren Problem dieser Welt an meine Leser. Es geht um die Evolution, Interaktion des Menschen im öffentlichen Raum, Wahrnehmung, Instinktsteuerung und Fahrradfahren. Nun, wie passt das zusammen? Ganz einfach!

Lasst mich erklären!

Vor garnicht allzulanger Zeit, als der Mensch dem Affen noch ein wenig näher stand und sein Glück und Überleben in den Zeiten der Evolution seinem aufrechtem Gang, seinem tollen großen Gehirn und seiner Fähigkeit Gefahren einzuschätzen, sich mit Waffen zu verteidigen (oder selbst anzugreifen) und ganz schnell wegzulaufen verdankte, gab es das ein oder andere Geräusch, dass, sobald es vom großartigen Sinnesapparat dieses künftigen Weltunterdrückersbeherrschers erfasst wurde, diesem zu einer der oben genannten Aktion (Angriff, Verteidigung, Flucht) bewegte. Nehmen wir zum Beispiel einen brüllenden Löwen/Säbelzahntiger oder Tyrannosaurus Rex. Bei jedem dieser Tiere hat das Kleinhirn dem Großhirn sofort die Gefahr gemeldet und das hat schließlich Nerven, Muskeln und Körper mitgeteilt was zu tun sei (nach heutigem Wissensstand ist der Körper bei Reaktionen dem Gehirn etwas vorraus, deshalb stimmt das gesagte nicht ganz.. Aber es geht ja auch nur um das Bild). Kurz gesagt, es gab Geräusche, die mit bestimmten Reaktionen verbunden waren. Das gibt es auch immer noch. Das Geräusch einer Explosion zum Beispiel veranlasst in den meisten Fällen zur Flucht weg von der Geräuschquelle, anstatt auf sie zu zu laufen (bei den meisten – davon gehe ich jetzt einfach mal aus). Es gibt aber auch Geräusche, die eben diese Funktion einmal hatten, aber dadurch, dass sie keine wirkliche Gefahr verkörpern, bzw. eine direkte Verbindung im Gehirn knüpfen die den Hörer auf Gefahr hinweißt, diesen nicht zur Flucht (in diesem Fall sollte „ausweichen“ bereits reichen) veranlaßt.

Die Fahrradklingel.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das es eine Zeit gab, in der Leute wenn sie eine Fahrradklingel läuten hörten vom Fahrradweg/der Straße, etc, dem ankommenden Drahtesel auswichen.

Diese Zeiten sind vorbei, vor allem hier in Berlin. Klingelt man munter drauf los um Passanten darauf aufmerksam zu machen, das man gerade mit 35km/h auf dem Fahrradweg, auf welchem sie gerade flanieren, von hinten angerauscht kommt und ihnen zu verstehen geben will, sie sollten sich doch lieber zur Seite bewegen, damit man A. nicht eine komplette Vollbremsung hinlegen muss und B. keinen von ihnen mit dem Fahrrad, und oder dem eigenen Körpergewicht erwischt und zu Boden zwingt – was in der Tat sehr schmerzhafte Verletzungen mit sich bringen kann und auch das Fahrrad könnte darunter leiden – reagieren die meisten Menschen gleich. Anstatt sich ihrer Situation bewusst zu sein und ein kurzes Ausweichmanöver zu starten, verringern sie ihre Laufgeschwindigkeit bis zum Stillstand und drehen sich in die Richtung aus der das Geräusch kam.

Nun gut. Das mag in der Savanne oder sonstwo bei den Dinosauriern, Säbelzahntigern, Löwen und Drachen nicht anders gewesen sein, schließlich ist es immer gut erst zu wissen wo man dran ist und dann zu reagieren, aber: Dafür ist keine Zeit. Hört man einen Löwen 5m hinter einem brüllen (oder einen kleinen Ast brechen, weil der Tiger doch nicht ganz so leise war) rät es sich vermutlich nicht unbedingt erst einmal stehen zu bleiben und der Gefahr ins Auge zu sehen. Mag sein, dass der Vergleich verdammt weit hergeholt ist, aber es geht hier um etwas grundsätzliches!

Der Mensch hat die Angst vor der Fahrradklingel verloren. Die bequeme, unnatürliche Reaktion, das Tempo zu verlangsamen, die Geräuschquelle zu orten und dann über die Konsequenzen nachzudenken ist nicht mehr tragbar. Der Fahrradfahrer (vielmehr seine Klingel) muss für den Fussgänger eine Gefahr darstellen, wie in Urzeiten als es um Leben und Tod ging. Den Fussgänger sollte die Klingel so warnen, wie es eine Autohupe, ein Martinshorn, oder Schüße in nächster Nähe tun. Die einzige Reaktion, die die Fahrradklingel bei Fussgängern veranlassen sollte, sollte Flucht sein!

Deshalb plädiere ich dafür eine Fahrradklingel zu entwickeln, die das Geräusch eines hart bremsenden Fahrrad imitiert.

Feldversuche mit verschiedenen Objekten haben bereits ergeben, dass die Reaktionen der Zielgruppe die Erwartungen übertrafen! In 10 von 10 Fällen sprangen die Fussgänger zur Seite und blieben weit vom Rand des Fahrradwegs stehen und schauten sich um. Mit dieser Klingel sollte die Bahn für uns Fahrradfahrer in Zukunft endlich wieder frei sein. Die blockierten Fahrradwege wären schneller geräumt als jemals zuvor und Unfälle mit stehenden, gehenden Personen könnten um ein vielfaches reduziert werden.

Zumindest bis sich der Fussgänger evolutionär auf das Geräusch der „amplifiedbell“ eingestellt hat und wir neue Lösungen im immer währenden Kampf der Natur erdenken müssen.

7 Antworten to “amplifiedbell”

  1. Justus said

    Schöne Idee! Und wenn sich die ersten darauf eingestellt haben und das Geräusch des hart bremsenden Fahrrads nur für eine Klingel halten, gibt’s bestimmt einige schön anzuschauende, spektakuläre Unfälle auf den Fahradwegen Berlins zu bestaunen. Das wird ein Spaß!
    Aber…, eine Frage hätt‘ ich dann doch noch Ma’m. Welches menschenähnliche Wesen lebte denn zu der Zeit als der Tyrannosaurus Rex brüllte?

    • Lupéz said

      Das ehem ist doch wohl klar! Also wenn ich dir das jetzt extra erklären muss.. Tsst. Banause!!

      • Justus said

        Nein, nicht für mich. Ich dachte nur vielleicht für die anderen 100 Millionen Leser hier.

      • Lupéz said

        Die haben alle Arthur Conan Doyle gelesen, und oder kennen omiöse Verschwörungstheorien. Die anderen sind Kreationisten, die glauben erstmal alles..😉

  2. KatarzynaWielka said

    Gibt es auch eine Möglichkeit sich einen Prototypen nach Mönchengaldbach schicken zu lassen? notfalls würde auch schon eine Bananenversion reichen. Es wird zeit dem egozentrischen Fußgänger den gar aus zu machen!

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