Weiße Weihnacht.

17. Dezember 2009

Beim Lesen dieses Artikels hab ich erstmal laut auflachen müssen. Mindestens 4mal. Vielleicht liegt es am Fieber, oder dem lustigen Medikamentencocktail aber irgendwie konnte ich nur Ironie und Sarkasmus aus den Zeilen lesen ohne die Nachricht ernst zu nehmen. Dann kam die Ratio mit ihrem erhobenem Zeigefinger und ich bin mal wieder in die Realität eingetaucht. Doch was ich sehe gefällt mir garnicht.

Bis Heiligabend will der Bürgermeister des 7.000-Einwohner-Orts Coccaglio alle „Illegalen“ entfernen. Die Aktion heißt „White Christmas“

Wie kann man auf die Idee kommen so etwas ernst zu meinen?

Mit Vernunft lässt sich das nicht erklären, aber scheinbar hält der geneigte Regierungspolitiker Italiens die Idee für so großartig, dass sie allerorts kopiert wird.

Die Säuberungsaktion von Coccaglio wird mittlerweile in diversen Lega-regierten Kommunen kopiert. Lega-Chef Umberto Bossi: „Wir bleiben dabei: Die Ausländer müssen nach Hause. Es gibt ja noch nicht mal für uns genug Arbeitsplätze.“

Kennt ihr dieses Gefühl, dem Brechreiz nicht unähnlich, das den kleinen Aggressionsschalter im Kopf umlegt, wenn ihr die Worte „uns“, „genug“ und „Arbeitsplätze“ in einem Satz hört?

Mein Blick auf Italien wird damit immer mehr zu dem, den ich auf Wuppertal habe: eigentlich ganz schön – aber diese Leute!

Claudio Abiendi, örtlicher Dezernent für Sicherheit, findet den Titel „White Christmas“ völlig in Ordnung. Weihnachten sei schließlich ein Fest „der christlichen Tradition, ein Fest unserer Identität, und nicht ein Fest der Aufnahme“.

Was ja völlig zutrifft, wenn man sich nur mal die Weihnachtsgeschichte nach Markus durchliest. Schließlich werden Maria und Joseph ja auch ständig des Ortes verwiesen, bekommen keine Unterkunft, um letztenendes nicht aufgenommen zu werden. Also von den Hirten zwar doch, aber die sind ja nicht unbedingt Teil der Gesellschaft oder so. Bei diesem Messungen mit zweierlei Maß, dem zurechtbiegen von Tatsachen auf die sich diese Leute berufen (nicht ich, ich spiel da nicht mit!) kann einem schon seltsam zumute werden.

Wenn wir also das „Aufnehmen“ aus der Weihnachtsgeschichte streichen und nur noch die Traditionen betrachten – wieviele davon sind noch übrig? Abgesehen davon, dass wir uns Weihrauch, Gold und Myrre schenken, Erstgeborene in Krippen legen und der Adel bei astronomischen Phänomenen wie Kometen diesen auf der Suche nach dem nächsten König folgend durch die Gegend zieht?

Ein heidnischer Tannenbaum, das heidnische Lichterfest, kapitalistischer Konsumterror mit folgsamem Volke und der Weihnachtsmann. Wo wird der eigentlich in der Bibel erwähnt? Und warum ist das Christkind in unseren Gefilden meist ein kleiner blonder Engel (für mich war es auch immer ein Mädchen. Mit der Frisur!)? Kennt das überhaupt noch jemand? Wird das irgendwie ins verteilen der Geschenke einbezogen – außer vielleicht bei den Zeugen Jehova.. Ah nee! ?

So haben wir also unsere Traditionen und unsere christliche Identität. Hier genauso wie in Italien. Vielleicht sind die Schattierungen hier oder da etwas ausgeprägter, aber im großen und ganzen sollte es ja das ähnlich sein, schließlich glauben alle an den einen (Vater, Sohn, heiliger Geist) gleichen Gott. Manchmal wünsche ich mir Jesus würde auf einem Einhorn eingeritten kommen und seinem Gefolge mit Schwert oder Kraft des Wortes einprügeln wie denn das zu verstehen sei, was er 2000 Jahre vorher auf einem Berg oder im Rest des heutigen Israel so vor sich hinschwadronierte.

Ausländer raus und nur Weiße würde sicher nicht dabei rauskommen.

Schöne christliche Identität. Vielleicht wirds ja irgendwann Teil des traditionellen Weihnachts- bzw. Lichterfestes. Dann läuft auch wieder der rechte (im Sinner von richtige) Teil der Bevölkerung mit Kerzen Fackeln Lichtern in der Hand durch die Straßen.

Den Artikel gibts in voller Länge hier, ich hab ihn von hier.

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