Dritter Tag: Sonntag 14.02.2010

I I WANT TO WHISTLE, I WHISTLE – SHUTTER ISLAND – SEX&DRUGS&ROCK&ROLL – EXIT TROUGH THE GIFT SHOP

Was für ein Tag. Grob 410 Minuten Nettozeit im Kinosaal und mindestens zwei sehr gute Film.

IF I WANT TO WHISTLE, I WHISTLE (Florin Serban)

Mein zweiter rumänischer Film und nach PORTRAIT OF THE FIGHTER AS A YOUNG MAN konnte es nur normaler/eingängiger/einfacher und friedlicher werden. Das war schonmal eine gute Vorraussetzung für den frühen Sonntagmorgen.

Der Film handelt vom jungen Knasti Silviu, der seine Zeit bald abgessen hat und plötzlich erfährt, dass seine lange abwesende Mutter zurückgekommen ist um Silvius kleinen Bruder mit zu sich nach Italien zu nehmen. Silviu, der seinen kleinen Bruder im Alleingang erzogen hat will das nicht zulasse, ist aber aufgrund seiner Inhaftierung relativ machtlos etwas dagegen zu unternehmen. Trotzdem wird er aktiv..

Der Darsteller des Silviu ist keine schlechte Wahl gewesen und die Inszenierung macht es  sehr einfach seine Handlungen nachzuvollziehen und sich größtenteils mit ihm zu identifizieren, die Nebendarsteller sind ebenfalls gut gewählt. Eine gewisse Seriösität bekommt der Film auch dadurch, dass viele Darsteller wirklich im Jugendknast sitzen.  Es macht die Geschichte und die Geschehnisse glaubhafter (Nein, glaubhaft ist sie so oder so, ich glaube das Wort was ich suchte geht in Richtung realer/natürlicher (selbst-verständlicher?)) – wäre vermutlich aber auch nicht unbedingt nötig gewesen.

Die Geschichte entwickelt sich langsam und nachvollziehbar, die Kameraarbeit ist in manchen Aufnahmen mit der Steadycam etwas zu wackelig (aber nach allem was ich so in den letzten Jahren gesehen habe scheint dass ja nichts schlechtes zu sein) und man bekommt einen guten Film aufgetischt, der sich wohl am besten in die Kategorie „junges europäisches Autorenkino“ eingliedern lässt.

Fans vom Autorenkino sei der Film empfohlen, jeder der Filme zur puren Unterhaltung betrachtet wird hiermit sicherlich nicht glücklich werden.

SHUTTER ISLAND (Martin Scorsese)

Große Namen, große Erwartungen. Wie bei Polanski bin ich auch in den neuen Scorsese mit einer hohen Erwartungshaltung gegangen, ich setze gute Dramaturgie, schöne Bildinszenierung, passenden, nahezu perfekten Einsatz des Soundtracks und natürlich eine gute Darstellerinszenierung quasi per se vorraus (wobei die großen Namen natürlich ihren Teil dazu beitragen, dass ich ebenfalls von guten Darstellerleistungen ausgehe!), so dass mich meine Erwartungshaltung schonmal groß enttäuschen kann.

(Wie damals, wisst ihr noch – dieser Star Wars Animationsfilm mit Ewan McGregor und Liam Nesson?

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Zweiter Tag: Samstag 13.02.2010

HOWL – THE GHOSTWRITER – PORTRAIT OF THE FIGHTER AS A YOUNG MAN

Wie jeden Tag in meinem Leben seit dem 12.02.2010 (ich erinnere mich noch ganz genau!) stehe ich zu früh auf, trapse schlaftrunken zum Potsdamer Platz und warte darauf um 8:30 Uhr meine Karten entgegen zu nehmen. Wie sich heute im Büroflurfunk herrausstellt (ich hatte da soetwas vermutet, aber nie wirklich drüber nachgedacht) kriegt man als einer der ersten Anwesenden immer die Premierenkarten, was auch erklärt, dass ständig vor und nach den Filmen mit Mitgliedern der Crew und Machern geredet wird. Nunja, wie schon vorher angedeutet ist mein Verstand momentan nur auf die Verarbeitung und Aufnahme der Celluloidbilder auf der Leinwand eingestellt, da kann einem soetwas schonmal entgehen.

Heute schreibe ich also über „HOWL“, eine Hommage an Alan Ginsbergs gleichnamiges Gedicht (eigentlich eher den ganzen Gedichtband), Polanskis neuen Film „THE GHOST WRITER“ und den rumänischen Film „PORTRAIT OF THE FIGHTER AS A YOUNG MAN“ über Kämpfer im anti-kommunistischen Widerstand der 40er und 50er Jahre.

Eigentlich wollte ich noch David Sievekings Film „DAVID WANTS TO FLY“ sehen, der Überschnitt sich aber mit dem „PORTRAIT OF A FIGHTER AS A YOUNG MAN“, was die Berlinale Leute nicht abhielt mir eine Karte für beide Filme zu geben. Nun denn, auf geht’s!

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Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich auf einem wirklich namhaftem Filmfestival akkreditiert und besuche seit Freitag wie ein Besessener die Lichtspielhäuser der Hauptstadt um 1. alles zu sehen was mir wichtig erscheint und in meinen Zeitplan passt und 2. natürlich die Kohle die ich rausgehauen habe wieder reinzukriegen (im übertragenen Sinne – mit Akkreditierung und mehr als 10 Filmen sollte das schnell machbar sein..). Die Liebe zum Kino spielt glaube ich auch eine nicht zu unterschätzende Rolle*.

Geschafft habe ich seit Freitag 9 von 10 Filmen die ich mir vorgenommen habe. Seltsamerweise bekam ich Karten für zwei Vorführungen die sich sehr grob um mehr als eine Stunde überschnitten – ich dachte das wäre dank des elektronischen Ausgabesystems nicht möglich – so dass ich auf einen Film verzichten musste. Was aber aufgrund der Quantität und des Schlafdefizits eher von Vorteil war.

Nunja – seit Freitag geht mir also der Gedanke durch den Kopf über die Filme zu schreiben, die ich sah, was ich aber bis heute zeitlich ziemlich gut ausschließen konnte. Ich werde versuchen über jeden Film, den ich gesehen habe zu schreiben – vielleicht ist da draußen ja nur eine einzige Person, die es lesen will und selbst wenn nicht: Ich studiere den Scheiß – irgendwann muss ich anfangen es aufzuschreiben.

Also folgt mir auf meiner Reise durch das Programm der Berlinale 2010.

Beginnen wir mit Freitag und den Filmen Tuan Yuan sowie My Name Is Khan:

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Amplified domestication.

5. Februar 2010

Jahrelang beschäftige ich mich nun mit den Wundern der Evolution, meist bleibt bei mir ein fader Beigeschmack im Mund zurück, der sich nur durch mein mangelndes Fachwissen und fehlendes Verständnis erklären lässt – aber im großen und ganzen bin ich ein großer Fan. Ich kann garnicht anders. Bevor ich darüber nachdenke, dass eine einzelne Gestalt den ganzen Kram hier innerhalb von kürzester Zeit mal eben so schwuppsdiwupps hingezaubert hat, nur weil diese Manifestierung von whatever das gerade so wollte, glaub ich eher Herrn D. aus E., der das ganze ja auch relativ einleuchteng auf den Punkt gebracht hat. Spricht alles dafür würd ich mal sagen..

Aber es gibt da doch eine Frage die mir seit langem auf den Nägeln brennt:

Vor ca. 10.000 Jahren kam der Mensch auf die lustige, muntere Idee sich seinen größten und ärgsten Feind, den Wolf, mit einem kitzekleinem Schnippchen zum Mitstreiter zu machen. Dazu wurden einfach Wolfsjungen von den Eltern getrennt (fragt nicht wie!) und unter der Fuchtel des Menschen aufgezogen (so sagt man). Das ganze hat man dann ein paar Jahrtausende gemacht und nach relativ kurzer Zeit kontrollierter Auslese hatte man plötzlich den besten Freund des Menschen. Klingt einleuchtend und hat auch recht gut funktioniert.

Aber (wieder dieses aber): Der Hund ist doch relativ eingeschränkt in dieser Multioptionsgesellschaft. Wo er früher und auch heute noch als guter Kamerad für die Jagd, die Viehzucht, das bewachen von Besitz (so ein Blödsinn!) gut war, hat er doch erhebliche Defizite in anderen sozialen – ich sag mal zwischenmenschlichen – Bereichen. Das können wir dem Tier wohl auch nicht mehr zusätzlich antrainieren. Vielleicht noch die ein oder andere Verbesserung in den nächsten paar tausend Jahren – falls wir es denn so lange schaffen, aber ansonsten seh ich das Potential doch eher nah an der Erschöpfung. Was mich zu meinem eigentlichem Punkt bringt:

Wären wir vor 10000 Jahren in etwas anderen Gefilden unterwegs gewesen und hätten ein etwas zukunftorientierteres Denken an den Tag gelegt hätten wir uns nicht für Hunde entschieden sondern für:

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Weiße Weihnacht.

17. Dezember 2009

Beim Lesen dieses Artikels hab ich erstmal laut auflachen müssen. Mindestens 4mal. Vielleicht liegt es am Fieber, oder dem lustigen Medikamentencocktail aber irgendwie konnte ich nur Ironie und Sarkasmus aus den Zeilen lesen ohne die Nachricht ernst zu nehmen. Dann kam die Ratio mit ihrem erhobenem Zeigefinger und ich bin mal wieder in die Realität eingetaucht. Doch was ich sehe gefällt mir garnicht.

Bis Heiligabend will der Bürgermeister des 7.000-Einwohner-Orts Coccaglio alle „Illegalen“ entfernen. Die Aktion heißt „White Christmas“

Wie kann man auf die Idee kommen so etwas ernst zu meinen?

Mit Vernunft lässt sich das nicht erklären, aber scheinbar hält der geneigte Regierungspolitiker Italiens die Idee für so großartig, dass sie allerorts kopiert wird.

Die Säuberungsaktion von Coccaglio wird mittlerweile in diversen Lega-regierten Kommunen kopiert. Lega-Chef Umberto Bossi: „Wir bleiben dabei: Die Ausländer müssen nach Hause. Es gibt ja noch nicht mal für uns genug Arbeitsplätze.“

Kennt ihr dieses Gefühl, dem Brechreiz nicht unähnlich, das den kleinen Aggressionsschalter im Kopf umlegt, wenn ihr die Worte „uns“, „genug“ und „Arbeitsplätze“ in einem Satz hört?

Mein Blick auf Italien wird damit immer mehr zu dem, den ich auf Wuppertal habe: eigentlich ganz schön – aber diese Leute!

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Ein Kinderzimmer

Just in diesem Moment klingt der letzte Akkord der Schallplatte aus meinen Boxen und das Geräusch, dass die Kinderzimmer Productions auf ihrem Track „Atmosphere“ der Scheibe „Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit“ in einem wunderbaren Loop von 8:18 Minuten Länge aufs Vinyl pressten klingt durch mein Zimmer. Herrlich!

Erwähnte Platte habe ich vor zwei Wochen vorbestellt, Freitag kam sie an, heute holte ich sie ab und jetzt ist heavy rotation angesagt. Das letzte Album der Herren von Holtum und Klammt, a.k.a. Textor und Quasi Modo, a.k.a. Kinderzimmer Productions, Deutschlands innovativster Hip Hop Act überhaupt. Und Nein, darüber kann man nicht diskutieren, denn „ich steck bis zum Hals drin und ich hör‘ nur so ’nen Scheiß!“

Lange habe ich gebraucht um den Verlust zu überwinden und bis Heute kann ich nicht genau sagen, warum ich am 26. April 2008 nicht in Dortmund im Konzerhaus saß. Vielleicht weil ich in Berlin rumhing, meiner Arbeit nachging und finanziell gerade so unabhängig und überschuldet war wie das Bundesland in dem zu leben ich vor drei Jahren beschloß (Kein Ding, da wo ich herkomm ist es noch schlimmer, quasi nen Glücksgriff mit Berlin.. hrhr..). Im Nachhinen auf jeden Fall sehr schade.

Nicht schade ist allerdings, dass die beiden Jungens aus dem Kinderzimmer das komplette Konzert aufgenommen haben, auf Vinyl pressen ließen (1000 Stück, so sagt man), eine CD beilegten, Eberhard Spohd ein tolles Requiem schreiben ließen, das ganze „Over and Out“ betitelten und dann in die Läden stellten. Zwei davon gehören jetzt mir (Yes, Vinyl ist mein Bank!) und jedem der nur etwas mit deutschprachigem Rap anfangen kann sollte schnellstmöglich gucken, dass er sich diese Scheibe in seine Sammlung holt. Weil das ganz groß ist. Wirklich!

1. Ersteinmal sind das Kinderzimmer Productions. Wem das nichts sagt der sollte ganz dringend Bildungslücken schließen.

2. Ist das Konzert „Unplugged“. Was sich ersteinmal ganz gut anhört, dann stutzen lässt und schließlich den Leser und Hörer und Mitdenker mit der Frage allein lässt: Wie zur Hölle kann man Wheels of Steel unplugged live präsentieren? Wie solch eine samplewütige Crew auch nur annähernd gerecht auf die Bühne bringen? Die Antwort weiß ich auch nicht, bzw. kann dem Talent der Musiker nicht gerecht werden, wenn ich jetzt sage: machen sie garnicht also nicht hundertprozentig. Die Turntables haben Strom, sind aber auch das einzige (abgesehen der Mikrophone) dass die Bedingungen für ein unplugged Konzert leicht erweitern. Der Rest ist wirklich alles live und selbstgebastet. Da reißen sich dann Textor, Das Tier, und alle anderen krass den Arsch auf um die Lieder in Originalton wiederzugeben, was man auch hört. Und das macht jede Menge Spaß. Nicht nur den Musikern, auch dem geneigtem Zuhörer und natürlich den wenigen Gästen im Konzerthaus an diesem geschichtsträchtigem 26. April 2008.

3. Wirklich. Ganz groß. Sauberer satter Sound, eine sehr gute Auswahl von Liedern, so dass sich alle Musiker, DER DJ und die beiden Backup Rapper ganz schön ins Zeug legen müssen und trotzdem jeder sein Talent ausreichend präsentieren kann. Und davon gab es bei diesem Konzert einiges auf der Bühne.

4. Junge, junge. Wirklich. Selten so über ein neues Album gefreut. Und dazu gibts das alles noch auf CD, so dass die Heavy Rotation auf meinem täglichen Weg durch Deutschlands Hauptstadt weitergehen kann. Jes, jes, jes.

„Warum muss es eigentlich immer Berlin sein?“

Das wars mit der Werbung. Kaufen. Over and out.

Lieblink.

9. November 2009

Immer wieder herrlich und unbedingt jedem empfohlen seien die Cartoons von Steffen Gumbert auf „Süsses und Saueres„.

Tendenz fallenddirektfallend

 

„ist genau deine Nummer. An dir nagt nicht der Zahn der Zeit, er hat richtig Hunger!“ (Fettes Brot – Fast 30)

Dieses „Früher als ich jung war“ ist später das jetzt wo wird jung sind.

Manchmal muss ich mir das ins Gedächtnis rufen, um nicht zu vergessen, wo ich jetzt stehe. Und wieso überhaupt.

Heute lasse ich es mal bei diesem Minimaloutput, beim nächsten Mal, größerer Nachfrage und Mitteilungsbedürfnis dann gerne mehr.

Gedankenschwanger – was ist es Herr Doktor?

Es ist ein Twitter..

Früher dachte ich immer das Internet wäre die soziale Revolution, die alle Menschen aller Schichten, Hautfarben, Ideologien, etc, zusammenbringt und endlich eine Basis für eine wirkliche, aufrichtige Demokratie schafft.

Dann kam Regel Nr. 34.

Das Internet ist doch nur für Pornographie. All kinds of. Mann mit Mann, Mann mit Frau, Mann mit zwei Frauen, Mann mit drei Frauen, Frauen mit Frauen, drei Frauen miteinander, Mann mit Frau und Esel, Esel mit Pferd, Hund und Katze, Katze mit Maus, Katze mit Katze, Kraken mit acht Frauen, zwei Kraken mit acht Frauen, zwei Frauen, Fäkalien und ein Becher, der ganze kranke Scheiß halt.

Ist vollkommen ok meines erachtens nach. Jeder wie er will. Wer Luftballons aufblasen muss um einen hochzukriegen und das dann auch nur klappt wenn ihm jemand auf den Bauch fäkaliert, der in ein Cosplay Kostüm genäht wurde – meinetwegen. Schön dass ihr eure Plattform irgendwo habt. Muss ich ja nichts mit zu tun haben.

Auch die zweite Regel, die besagt, dass das Internet eigentlich nur zum Austausch von Bildern der Lieblinge von Katzenbesitzern erfunden wurde und aufrechterhalten wird. Meinetwegen. Zeigt euch eure Muschis, macht lustige Bilder, schreibt lustige Texte drunter, whatever.

ABER! Das ich in den wenigen Blogs die ich lese so langsam eine Tendenz erkenne Fotos und Daten von HOCHZEITSTORTEN zu posten, macht mich etwas nervös.

Ich mein. ALTER FINNE WAS GEHT DENN BEI EUCH? Was ist bitte uninteressanter als ein Foto einer Hochzeitstore von irgendwelchen Freaks, die dachten sie müssten den De Lorean mit Kuchen nachbauen? Abgesehen davon, dass dieses Eingeständniss von Nerdtum mir auf der Hochzeit betreffender Personen – falls ich denn eingeladen, bzw. hingegangen wäre – kein müdes Lächeln, sondern eher einen mitfühlenden Blick abringen würde (weil das nach Darth Vader aufs Toast brennen mit das bescheuerteste ist was ich mir an Fankult vorstellen kann), finde ich es noch schlimmer den Mist überhaupt zu posten. Ich mein welcher heterosexuelle Mann/Nerd/Blogger/Netzsurfer/Whatever interessiert sich bitte für Hochzeitstorten anderer Leute (Geschweige denn die eigene?)?

Vielleicht ist ja genau das der Punkt.

Ich geh mal kurz in mich..