1. Oktober 2009

„Natürlich hast du recht. Ganz klar. Einmal davon abgesehen, dass man sich so etwas nicht gefallen lassen sollte.“

Er verstummte einen Augenblick wie um sich zu sammeln. Dann begann er mit neuem Eifer:  „Weißt du, die Lichter werden wohl mein nächstes Thema werden. Ich liebe die Vorstellung dass hinter all diesen glitzernden und leuchtenden Fassaden kein Leben stattfindet. Sie sind nur potemkschke Dörfer, die uns vorgaukeln es gäbe anderes, womöglich intelligentes Leben in unserer Gesellschaft. Du darfst dich davon nicht blenden lassen, denn es sind genau diese Lichter, die verspiegelten Glasfassaden ihrer Büroelfenbeintürme, die das Individuum der Großstadt ins Verderben locken wie Irrlichter im Moor.“

Wieder verstummte er, zog an seiner inzwischen erloschenen Zigarette, deutete mir mit einer Handbewegung ihm noch einmal Feuer zu geben, trank den letzten Schluck seines vermutlich inzwischen schalen Bieres und hob eine Augenbraue.

„Weißt du, ich erzähle das nicht jedem. Du denkst vielleicht ich stünde den ganzen Tag hier herum und predige vorbeikommenden Leuten meine Visionen vom Untergang, aber das ist falsch! Wahre Größe kommt durch das Schweigen. Und überhaupt sind die Wahrheiten, die ich verbreite nicht für jedermanns Ohren gemacht. Sieh es als spezielles Geschenk, unabhängig von deinem Geburtstag, Weihnachten oder sonstigem religiös oder gesellschaftlich verordnetem Feiertag. Das hier heute ist deine Erweckung, ich liefere dir Erkenntnis. Keine endgültige, die wird dir selbst der Tod nicht bringen, aber eine, die die Richtung weißt, die dir als Hilfestellung zu deinen Fragen dienen soll.“

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Vergesslich.

25. August 2009

Jetzt bin ich bald 24 Jahre alt, habe meinen Schulabschluss in Form des Abiturs hinter mich gebracht, das heimische Nest der Eltern seit mehreren Jahren verlassen, gelernt Verantwortung für mich und andere zu übernehmen, mich in eine Wohngemeinschaft mit wildfremden Leuten einzugliedern, selbstständig Lebensmittel zuzubereiten, täglich frische Unterwäsche und Socken zu tragen, regelmäßig die Zähne zu putzen, den Pflichten im Haushalt nachzukommen, pünktlich zur Uni/Arbeit und sonstigen wichtigen Terminen zu erscheinen und mich im Allgemeinen stetig zu verbessern, aber trotzdem Den Rest des Beitrags lesen »

Cumshot.

15. August 2009

Am Nachbartisch sitzen zwei junge Kerle und unterhalten sich. Der eine wirkt sehr still und zurückhaltend, der andere stellt ihm immer wieder Fragen ohne Antworten zu bekommen die mehr als einsilbig sind. Schließlich folgert er etwas lauter und direkter:

„Du bist immer noch nicht über sie hinweg, oder?“

„Nein.“ Es folgt eine ausgedehnte Pause, dann fügt er hinzu: „Genau das ist es ja.“

Beide fokussieren sich wieder länger auf ihr Bier, dann unterbricht der erste das Schweigen abrupt:

„Ich meinte ficken.“

Daraufhin der zweite, wie aus der Pistole geschossen:

„Ja, ich auch.“

Schnipsel #1

30. April 2009

Im Grunde genommen war er die Lässigkeit in Person. Durch und durch lässig geboren worden, würde er bis zu seinem Tod das perfekte Beispiel für  eine abgebrühte, lässige Person geben. Hätte er sich kurz seiner Umgebung versichert, anstatt sich voll und ganz auf seine Lässigkeit zu verlassen, hätte er das vermutlich auch geschafft.

Doch die Sekunde die er brauchte um sich und den Bus in Verbindung zu bringen und seine Situation zu erkennen machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Draußen schüttet es wie aus Eimern. Noch vor 5 Minuten hat die Sonne so gnadenlos vom Himmel gebrannt, dass selbst die Vögel aufgehört haben zu singen. Jetzt sitz ich hier in meiner kleinen Kammer, versuche mein T-Shirt vom Schreibtischstuhl zu lösen und überlege ob es das überhaupt wert sei. Aufstehen, das Fenster schließen und die schwüle, tropisch feuchte Luft aussperren. Zumindest die, die sich nicht schon in meiner Wohnung verbreitet hat.

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